Vodafone und Telekom können sich eine Scheibe abschneiden



o2 geht neue Wege. Der Dritte im Bunde der großen deutschen Mobilfunk-Provider hat in dieser Woche einen Tarif aufgesetzt, der ein echtes Alleinstellungsmerkmal ist. For Vodafone und Telekom könnte dieses Beispiel der Weg aus der Misere sein.

o2 hat in dieser Woche ein neues Tarif-Highlight präsentiert, anlässlich des 20-jährigen Bestehens. Der kann allein schon mit einem ordentlichen Inklusiv-Datenvolumen überzeugen: 40 GB gibt es zum Preis von 29.99 pro Monat, für Bestandskunden 19.99 Euro. Maximal stehen 300 MBit/s im Download parat.

Neuer Tarif o2 Grow wächst mit seinen Aufgaben

Eigentlich kommt es aber gar nicht darauf an, sondern auf die Besonderheit vom passend benannten Tarif o2 Grow. Denn der wächst mit seinen Aufgaben from him. Das Daten volume wird jedes Jahr um 10 GB aufgestockt, der Monatspreis bleibt gleich. Wenn ihr den Vertrag auf 2 Jahre abschließt, habt ihr also zum Vertragsende seit einem Jahr 60 GB monatlich zur Verfügung.

Wer auf viel Datenvolumen angewiesen ist, aber nicht die gesalzenen Preise für Tarife mit unbegrenztem Datenvolumen zahlen will, findet derzeit kaum ein besseres Angebot. Laut o2 will man mit dem zunehmenden Datenvolumen den Nutzungsgewohnheiten der Kunden entgegenkommen. Das durchschnittlich verbrauchte Datenvolumen steigt dank immer besserer Netze und beispielsweise HD-Streaming unterwegs seit Jahren kontinuierlich an.

Geschickter Schachzug: Was hinter dem Angebot von Telefónica/o2 steckt

o2 hat einige gute Gründe für so einen Tarif. Zum einen ist das Versprechen auf immer mehr Datenvolumen eine Gute Möglichkeit, die Kunden bei der Stange zu halten. Nachdem letztes Jahr das Telekommunikationsgesetz überarbeitet wurde, dürfen Verträge nach Ende der ausgehandelten Laufzeit schließlich nicht mehr Jahr für Jahr stillschweigend verlängert werden. Wenn ihr heute fürs Handy einen Zweijahresvertrag unterzeichnet, fallt ihr automatisch ab Monat 25 in eine monatliche Kündigungsfrist.

Da ist es kein Wunder, dass man euch mit o2 Grow länger binden will. Andererseits hat o2 natürlich recht: Viele Verbraucher nutzen immer mehr Datenvolumen. o2 macht also in gewisser Weise genau den Schritt, den Verbraucherschützer sich von der Gesetzesänderung erhofft hatten: Bessere Angebote für Mobilfunk-Kunden – allerdings gilt das nur, wenn ihr wirklich so viel Datenvolumen braucht. Wenn nicht, seid ihr mit günstigeren Angeboten besser beraten.

o2 zeigt Telekom und Vodafone die Zukunft

o2 zeigt obendrein auch der Konkurrenz, wo es lang geht: Telekom und Vodafone haben bei ihren sogenannten Zero-Rating-Optionen gerade eine herbe Niederlage einstecken müssen. StreamOn von der Telekom und die Giga Pässe von Vodafone hat die Bundesnetzagentur verboten. Damit konnten Kunden bestimmte Dienste wie zum Beispiel Instagram oder Netflix unterwegs nutzen, ohne dabei Datenvolumen zu verbrauchen.

Wer damit bisher den Verbrauch unten gehalten hat, wird wohl bald vor einer unschönen Überraschung stehen. Schaut ihr viele Videos auf dem Handy, könnte leicht das Doppelte des bisherigen Datenvolumens zusammenkommen oder sogar mehr – und das geht ins Geld.

Wenn ihr nicht auf o2 Grow setzt, ist es wichtig, regelmäßig euren Handyvertrag zu kündigen:

Das wissen auch die Provider. Vodafone hat bereits reagiert, benennt Tarife um und erhöht das Datenvolumen, zum gleichen Preis wie zuvor. Außerdem kann unverbrauchtes Datenvolumen per App weiterhin mit in den Folgemonat genommen werden. aber im Gegensatz zu o2 Grow sind das Einmaleffekte. Ob sie den Kunden ausreichen, muss sich erst zeigen.

o2 ebnet mit seinem Angebot also ein Stück weit den Weg für Telekom und Vodafone. Mit weiteren Angeboten der Konkurrenten ist schon bald zu rechnen. Spätestens, wenn Ende Juni für Neukunden Schluss ist mit Zero-Rating. Und dann noch einmal, wenn Ende März 2023 auch Bestandskunden nicht mehr davon profitieren können. Wir sind gespannt, welche Überraschungen der Tarif-Dschungel in den kommenden Monaten noch für uns bereit hält.


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